Teammitglieder
Peter Dennebaum
Evangelischer Theologe und Pfarrer, der Beyond koordiniert und durch interreligiösen Dialog, Sozialethik, Bürgerrechte und das europäische Friedensprojekt geprägt ist.
Übersetzung wartet auf redaktionelle Prüfung
Vollständige Biografie lesen — Peter Dennebaum
- Geboren 1967 in Mainz; Mainzer Domchor und Abitur am Bischöflichen Willigis-Gymnasium. Prägung durch die katholische Soziallehre, speziell Oswald von Nell-Breuning.
- Im Alter von 20 Jahren Konversion vom Katholizismus zum Protestantismus und Coming-out als schwuler Mann.
- Studium der Evangelischen Theologie in Tübingen, Hamburg und Berlin (1989–1996), mit Schwerpunkten in interreligiösem Dialog und Wirtschaftsethik. Eugen Drewermann und Hans Küng prägen mich bis heute.
- Fortbildung zum Personalreferenten mit Schwerpunkt Personalentwicklung (1997).
- Personalarbeit für die Debis Systemhaus GmbH, die Debis AG und die Commerzbank (1997–2003).
- Vikariat in Herborn und Frankfurt am Main (2003–2006).
- Übersiedlung in die USA, Ordination in der bürgerrechtsorientierten United Church of Christ und Pfarrer in UCC-Gemeinden in New York und Washington, D.C. (2006–2012). Anschließend Rückkehr nach Deutschland, um sich dem europäischen Friedensprojekt zu widmen.
- 2013–2021 Pfarrer der EKHN in Gießen sowie Frankfurt und Umgebung.
- Seit 2022 Referent für Gemeinwesen, Kirche und Diakonie bei der Stiftung SozDia in Berlin.
- Seit 2019 Sprecher der Bundesarbeitsgemeinschaft „Christ*innen“ bei Bündnis 90/Die Grünen mit dem Ziel, die interreligiöse Arbeit progressiv-religiöser Menschen deutschland- und europaweit zu koordinieren. Ende 2020 Mitgründung der European Green Progressive Interfaith Coalition (EGPIC).
- Seit 2017 Aufbau und Koordinierung von Beyond. The European Network for Religious Progressives.
Leah Frey-Rabine
Opernsängerin und ordinierte Chasan, deren Weg jüdische Erinnerung, Jewish Renewal, Musik und die Suche nach spiritueller Zugehörigkeit verbindet.
Übersetzung wartet auf redaktionelle Prüfung
Vollständige Biografie lesen — Leah Frey-Rabine
Geboren und aufgewachsen bin ich in Crosby, Minnesota, USA, weitab von jeglichen jüdischen Einrichtungen. Ich bin dankbar, dass meine Eltern zuhause ein wenig Jiddischkeit bewahrten, allerdings in einer Art, die ich als „ethnisch“ bezeichnete — Kerzen, Wein und Challah aus dem weit entfernten St. Paul sowie einige wenige Feiertagstraditionen.
Als ich klein war, bekam ich zumindest Einblick in das Leben, das die Familie meines Vaters einst geführt hatte. Zeyde davnete jeden Tag. Zum Taschlich gingen wir mit ihm an den See, und ich erinnere mich, wie er Kiddusch beging und „slach lanu“ sang — eine der ersten Melodien, die ich kannte. Jedoch bestand meine jüdische Identität insbesondere darin, dass wir in diesem multikulturellen Bergbaugebiet keiner der zahlreichen religiösen Gruppierungen angehörten.
Juden wunderten sich darüber, warum meine Familie so weit entfernt von anderen Juden wohnen wollte — ein Rätsel, das mich heute noch beschäftigt. Warum blieb die Familie meines Vaters in Crosby, nachdem fast alle anderen Juden weggezogen waren? Warum hat Zeyde seine jüdische Tradition nicht weitervermittelt? Beim Ausräumen meines Elternhauses fand ich in einem Karton unterschiedliche Gebetbücher, einen hebräisch-jiddischen Tanach, drei winzige tallitot katanot und fünf Paar Tefillin, jeweils in Taschen, bestickt mit den Initialen meines Vaters und meines Zeyde.
Warum riss der Faden? Was führt mich dazu, ihn zu ergreifen, ihn wieder in den jüdischen Bilderteppich einzuweben und meine eigenen Farben hinzuzufügen? Weshalb habe ich so lange gebraucht, und warum waren die Umwege so weit? Ich fühle mich wie Parsifal!
Ja, Wagner, mein anderes, mein Paralleluniversum: Als Kind träumte ich davon, und als Erwachsene hatte ich das große Glück, als Opernsängerin darin zu weilen. Hat die tiefere Bedeutung jener archetypischen Figuren eine Saite in mir zum Klingen gebracht? Oder hat der Gesang dazu beigetragen, meine spirituelle Sehnsucht zu stillen?
Als ich 1971 nach Deutschland kam, war das jüdische Leben in diesem Land dabei, wieder zu erwachen. Mit einem nichtjüdischen Ehemann und unserem Theaterleben war es leicht, Distanz zu wahren. Nach späteren Veränderungen in meinem Leben fiel es mir zunehmend schwer, meine jüdische Seele gleichsam in Schach zu halten. Im Jahr 2001 fand ich zum Egalitären Minjan in Frankfurt. Hier lernte ich Daniel Kempin kennen und schätzen, den Vorbeter des Egalitären Minjan. Er gewährte mir großherzig den Freiraum, den ich für meine ersten Schritte auf meinem neuen Weg benötigte. Wir achten einander, wir lernen oftmals gemeinsam — kurz, uns verbindet seitdem eine kollegiale Zusammenarbeit und eine tiefe Freundschaft, die uns beiden viel gibt.
Als Rabbinerin Elisa Klapheck im Jahr 2004 zu uns kam, ließ sie mich Teile der Gottesdienste leiten und lehrte mich das Lejenen der Thora. Meiner Unwissenheit tief bewusst, arbeitete ich zielstrebig darauf hin, die genau richtigen Worte und Töne zu singen. Langsam reifte in mir die Erkenntnis, dass ich diese Musik nicht nur aufführen wollte. Ich musste mehr in die Tiefe gehen. Rabbinerin Klapheck und Chasan Jalda Rebling ermutigten mich, Aleph, die Alliance for Jewish Renewal, kennenzulernen.
Während der unbeschreiblich wunderbaren ersten Woche beim Davvenen’ Leadership Training Institute konnten meine Seele und mein Selbst zueinanderfinden; mein zwiespältiges Ich begann, sich langsam und harmonisch zu formen. Hier befand sich die größte Gruppe von Juden, die ich je in meinem Leben erlebt hatte, und ich gehörte ganz selbstverständlich dazu! Ich lachte nicht mehr ungläubig über den Vorschlag, ich solle Chasan werden. Ich begann zu witzeln, dass ich nun eine Brücke bauen würde zwischen Walhalla und Ohalah, der Rabbiner-Kantorenkonferenz für Jewish Renewal. Zwar wagte ich kaum zu glauben, ich wäre imstande, dieses weit entfernte Ziel zu erreichen, doch ich erstrebte es mit ganzer Kraft und unbeschreiblicher Freude.
Im Januar 2014 ordinierten mich Rabbi Zalman Schachter-Shalomi und Hazzan Jack Kessler zur Chasan. Meine jüdische Seele hat ihren Frieden gefunden. Ich bin tief dankbar.
Waqar Tariq
Jurist und Koordinator des Liberal-Islamischen Bundes, engagiert an der Schnittstelle von Verfassungsrecht, Religionspolitik, Menschenrechten und progressivem Islam.
Übersetzung wartet auf redaktionelle Prüfung
Vollständige Biografie lesen — Waqar Tariq
Studium der Rechtswissenschaft an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, gefördert von der Friedrich-Ebert-Stiftung (Erstes Juristisches Staatsexamen). Juristischer Vorbereitungsdienst am Landgericht Darmstadt, Oberlandesgerichtsbezirk Frankfurt a. M. (Zweites Juristisches Staatsexamen).
Seit 2016 Koordinator der Gemeinde Frankfurt a. M. des Liberal-Islamischen Bundes (LIB). Seit 2017 Berater des Liberal-Islamischen Bundes.
Interessensschwerpunkte
- Verfassungsrecht im Allgemeinen, insbesondere Grundrechte und Staatsstrukturprinzipien
- Religionsverfassungsrecht und Staatskirchenrecht im Besonderen
- Prozess der Etablierung einer universitären islamischen Theologie
- Religionspolitik
Ständiges Mitglied des Dialog Forums Islam Hessen (dfih) der Hessischen Landesregierung (aktuelle Informationen zu den Integrationsgremien).
Mitglied des Liberal-Islamischen Bundes bin ich seit Anfang 2015, weil er es mühelos und islamisch-authentisch vermag, Religiosität und Progressivität beziehungsweise Liberalität miteinander zu vereinen. Dabei werden die progressiven und liberalen Positionen sowohl auf der theoretischen Ebene theologisch fundiert begründet als auch in der praktischen Realität konsequent gelebt.
Beyond bietet wiederum die Möglichkeit, sich interreligiös mit progressiven Strömungen anderer Religionen zu vernetzen und gemeinsam Spiritualität zu erleben. Wie der Koran betont (siehe unter anderem Sure 5:48, 2:62 und 5:69), ist die Vielfalt an Religionen von Gott gewollt und eine Bereicherung für die Menschheit.
Religionen können neben ihrem Eigenwert auch eine gesellschaftsstabilisierende und menschenrechtssichernde Funktion einnehmen, wie es zum Beispiel der Staatsrechtler und Rechtsphilosoph Ernst-Wolfgang Böckenförde in seinem berühmten Diktum prägnant formulierte.
Gerade die progressiven Strömungen der Religionen können und müssen wie andere zivilgesellschaftliche Akteure für ein Europa eintreten, das für Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechte und Sozialstaatlichkeit steht. Diese universellen humanistischen Werte sind heute in Europa angesichts des immer stärker um sich greifenden Rechtspopulismus mehr denn je in Gefahr. Auch die Religionen stehen in der Pflicht, dem Gift des Rechtspopulismus sowie sonstigen Formen der Menschenfeindlichkeit ein Antidot zu bieten und Gegenwehr zu leisten. Der Koran unterstreicht, dass Gott den Menschen als Seinen Statthalter auf Erden („Kalif“, arabisch khalīfah) eingesetzt hat. Der Mensch trägt also Verantwortung für diese Welt. Für religiöse Menschen stellt es daher keine Option dar, gleichgültig gegenüber dem Zustand dieser Welt zu sein und bloß im stillen Kämmerlein religiösen Ritualen nachzugehen, während die Welt draußen brennt.
Mit Beyond Frankfurt am Main legen wir den Keim für ein hoffentlich europaweites Netzwerk, das für ein progressives Europa streiten wird.
Veröffentlichungen (Auswahl)
- „Islam und Menschenrechte – ein Widerspruch?“, in: Lamya Kaddor (Hg.), Muslimisch und liberal! Was einen zeitgemäßen Islam ausmacht, München 2020, S. 84 ff.
- Kommentierung von Artikel 4 Grundgesetz (Glaubens- und Gewissensfreiheit), in: Adrian Oswalt (Hg.), VerfassungsKlänge – das Grundgesetz vertont, 2019. Die frühere Website ist nicht mehr erreichbar.
- „Das Islamische Grundgesetz“, in: Religion – Weltanschauung – Recht [RWR], 2015, Artikel online lesen.
Matthias Becker
Bluebridges Senior Consultant und Intercultural Coach. Promotion zum Dr. jur. an der Albert Ludwigs Universität Freiburg. Langjährige F&E-Personalverantwortung bei Hoechst-Marion-Roussel, Aventis Pharma und Sanofi-Aventis. Praktiziert seit 1989 den Buddhismus Nichiren Daischonins in der SGiD.
Übersetzung wartet auf redaktionelle Prüfung
Vollständige Biografie lesen — Matthias Becker
Ausbildung / Studium
- Studium der Betriebswirtschaftslehre, Rechtswissenschaften und Philosophie
- Promotion zum Dr. jur. an der Albert Ludwigs Universität Freiburg
Beruflicher Werdegang
- 1989 – 1993: Wiss. Assistent im Fachbereich Öffentliches Recht und Staatsrecht, Universität Freiburg.
- 1995 – 1998: Referent der arbeitsrechtlichen Abteilung des Arbeitgeberverbandes Chemie für das Land Hessen; Konzeption und Leitung von Führungskräftetrainings zu den Themen Arbeitsrecht, Konfliktmanagement & Kommunikation.
- 1998 – 2000: Leiter Personal F&E Hoechst-Marion-Roussel.
- 2000 – 2004: Leiter Personal F&E global Lead Generation Aventis Pharma;
- 2004 – 2008: Stellv. Leiter Globale Personal- und Organisations-entwicklung F&E Sanofi-Aventis.
- 2009: Direktor Globales Change Management F&E Sanofi-Aventis.
Buddhistische Ausübung
Seit 1989 Praxis des Buddhismus Nichiren Daischonins in der SGiD.